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Da mir die beiden Romane „Zugvögel“ und „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy
so gefallen haben war ich sehr daran interessiert, was sie davor so geschrieben hat.
Und ich war sehr überrascht: Fantasy. Wow, etwas völlig anderes!
So nahm ich mir erstmal die 3-bändige Reihe der „Kaya-Chroniken“ vor.
Diese Bücher sind 2013-2016 ausschließlich in Australien erschienen, d.h. es gibt
sie lediglich im englischsprachigen Original und für uns hier am günstigsten als eBooks.
Die Titel der Romane lauten „Avery“, Thorne“ und „Isadora“.
Wie gesagt – es ist Fantasy:
Das heißt es gibt Magie, dunkle Mächte und Fabelwesen (z.B. geflügelte Pferde).
Vor diesem Hintergrund geht es vor allem um den Mut, sich zu sich selbst zu
bekennen und zu akzeptieren und den Mut zu lieben.
Band 1: „Avery“:
Liebende in Kaya sterben immer paarweise, da sie durch einen unwiderrufbaren Bund
miteinander verbunden sind. Wenn ein Geliebter stirbt, stirbt auch der andere, so ist es
seit Tausenden von Jahren. Doch als Avas Gefährte Avery von der barbarischen Königin
des kriegerischen Nachbarlands Pirenti ermordet und Avas Seele dadurch entzweigerissen
wird, ist sie die erste, die stark genug ist, um dennoch am Leben zu bleiben.
Doch dafür wird sie nicht etwa gefeiert, sondern die Menschen von Kaya wenden sich
fortan von ihr ab. Derweil schwört Ava sich, den Mord an Avery zu rächen.
Dieser Plan wird jedoch vorerst beendet, als sich Ava auf ihrem Pegasus reitend
der Pirenti-Festung zu sehr nähert und gefangen genommen wird.
Auf Befehl der Herrscherin soll ihr Sohn Ambrose sie in das gefürchtete
Pirenti-Gefängnis auf einer entlegenen Insel überführen.
Ambrose ist wie sein älterer Bruder Thorne zum Töten und Hassen erzogen worden,
doch auf der gefährlichen Reise mit der andersartigen Kaya-Gefangenen (die er
aufgrund ihrer Verkleidung für einen jungen Mann hält) zur Gefängnisinsel
ändert sich sein Denken zunehmend und man ahnt es schon:
Obwohl Ava seine rachsüchtige Feindin ist, bahnt sich da etwas an, wodurch es
aber insbesondere für ihn nicht einfacher wird, da im gewalttätigen Land der
Pirenti Gefühle als Schwäche verachtet werden. Und wie wird er selbst mit
Avas Tötungsplan an seiner Mutter umgehen, ganz zu schweigen sein brutaler Bruder
Thorne, der halb Mensch, halb Berserker ist?
Klingt jetzt in der Kürze vielleicht etwas platt, ist es beim Lesen aber gar nicht.
Letztendlich ist es eine spannende Fantasy-Romance über Verlust, Identität und
darüber, den Mut zu finden, trotz aller Widrigkeiten zu lieben.
Dabei erspart die Autorin ihren Charakteren nichts – es geht oftmals ganz schön
brutal zu: Da wird geschlagen, gehackt, gestochen, Köpfe und
Gliedmaßen werden abgetrennt, das Blut fließt
....
Die Erzählweise ist immer abwechselnd aus der Sicht eines der Hauptcharaktere
geschrieben. Dies ermöglicht einen guten Einblick in die Denkweise jedes Charakters
und zeigt, wie vielschichtig und lebendig die Autorin ihre Charaktere gezeichnet hat.
ACHTUNG: Ab jetzt SPOILER!
Der zweite Band „Thorne“ spielt 20 Jahre später, Ambrose und Ava
gibt es immer noch, doch neue, jüngere Charaktere treten nun in den Vordergrund,
wobei die Erzählweise gleichbleibt, also immer abwechselnd
aus der Sicht eines der Hauptakteure.
Zwischen Pirenti und Kaya hat sich inzwischen ein noch wackeliger Frieden etabliert.
Mittelpunkt der Handlung bildet die Suche nach einem Heilmittel gegen das
paarweise Sterben der Menschen von Kaya. So wird ein Team, bestehend aus den drei
jungen Kayanern Finn, ihrem Zwillingsbruder Jonah, dem kleinen Penn, der
geheimnisvollen Isadora und dem jungen Kronprinzen Thorne von Pirenti
auf die Suche nach der Antwort geschickt. Trotz des offiziellen Friedens
zwischen beiden Ländern lauern jedoch überall noch Gefahren und Feinde …
Durch die Erzählweise aus den unterschiedlichen Perspektiven der Akteure werden
diese auch hier wieder vielschichtig und lebensnah beschrieben, wobei vor allem
der etwas andere Penn ein sehr schön und liebevoll gezeichneter Charakter ist.
3. Band: „Isadora“:
Der dritte und letzte Band schließt zeitlich nahezu unmittelbar an den zweiten Band an.
Das Königreich Kaya wird von einer dunklen Macht gestürzt und sein vermeintlic0
schwacher Kaiser Falco muss im Königshaus von Pirenti bei Ambrose, Ava, Thorne und Finn
Zuflucht suchen. Doch je mehr die Länder vom Bösen überschwemmt werden, desto stärker
lastet der Druck auf Falco, endlich die Maske abzulegen, die lange Zeit sein wahres
Wesen verbarg, und sich seinem Erzfeind, dem tödlichen Sparrow, zu stellen,
von dem zunächst keiner weiß, wer dieser wirklich ist.
Erschwerend hinzu kommt, dass Falco und Isadora unvermittelt durch das unauflösliche Band
der Liebenden von Kaya aneinander gebunden werden, d.h. der Tod des einen würde nun
auch den Tod des anderen bedeuten. Doch Isadora, die an die Kraft des freien Willens
glaubt und sich weigert, sich einem Schicksal zu ergeben, ist entschlossen, sich zu
befreien und ihren eigenen Weg zu wählen, koste es, was es wolle.
Derweil muss König Ambrose die Kraft finden, seinem Volk eine neue, friedvollere
Lebensweise vorzuleben, bevor seine Familie und sein Land von ihrem gewalttätigen Erbe
verschlungen werden.
Es geht im dritten und letzten Band der Kaya-Chroniken also sehr turbulent und
kämpferisch zu, doch die Liebe kommt nicht zu kurz und nimmt sogar einen zentralen Platz
in der Handlung ein. Erneut wird den Charakteren nichts erspart - und leider wird es
letztendlich nicht für jeden gut ausgehen …
Mir hat diese spannende Buchreihe sehr gefallen, vor allem weil die Geschichte
sprachlich toll erzählt ist, es etliche Wendungen gibt und den Charakteren eine Tiefe
verliehen wurde, die sie sehr lebendig und liebenswert macht.
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