Buchtipps aus aller Welt
inkl. Fantasy & SciFi

 

 

 

 





 

 

Richard Adams

Unten am Fluss /

Watership down

 

 

 

Diesen Tier-Fantasy-Klassiker von Richard Adams aus dem Jahr 1972
habe ich bereits als Teenager gelesen und geliebt.
Die Zeichentrick-Verfilmung hatte ich zuvor bereits gesehen
und sehr gemocht, obgleich ich dazu sagen muss:
Da ich zuerst den Film gesehen habe, hatte ich einiges falsch verstanden
bzw. missinterpretiert. Der Film ist sehr schön gemacht (inzwischen
auch bereits mehrmals gesehen) - aber ich würde empfehlen,
zuerst das Buch zu lesen.

Ich habe dieses Buch im Lauf der Jahre immer mal wieder gelesen und
erst kürzlich nach vielen Jahren erneut wieder -
und ich musste feststellen: Ich bin immer noch begeistert und
in den Bann gezogen, obwohl ich die Geschichte ja mittlerweile
sehr gut kenne. Die Erzählweise ist einfach so schön und spannend, dass
einfach das Lesen und (Wieder-)Eintauchen in die Erzählung Freude bereitet.

Zur Handlung:
Der Roman ist ein Tier-Fantasy-Klassiker, in dem es um den Exodus
einer Gruppe wild lebender Kaninchen geht.
Aufgrund einer düsteren, apokalyptischen Vision des jungen, in der
Hierarchie ganz unten stehenden Fiver flieht eine kleine Gruppe
wildlebender Kaninchen unter der Führung von Fivers stärkeren
Bruders Hazel aus ihrem heimatlichen Gehege.
Doch auf der Suche nach einer neuen Heimat lauern zahllose Gefahren,
denen sie sich stellen müssen – Unbillen des Wetters, Menschen,
natürlichen Feinden und falschen Freunden.
Dabei wird nicht nur aus dem Blickwinkel eines einzigen „Helden“
erzählt, sondern es wird auch auf Handeln und Gefühlswelt der
Nebenfiguren eingegangen, so dass auch deren Charakteren Tiefe
verliehen wird. Ob sich Fivers Prophezeiung letztendlich
bewahrheitet hat, die der Auslöser der Flucht war, kommt später
zu Tage, doch da steht die Gruppe schon wieder vor einer
neuen, gefährlichen Herausforderung …

Fazit:
Eine spannende Erzählung aus der Sichtweise von Kaninchen auf der
Suche nach einem Ort für ein glückliches Leben in Frieden und
Freiheit - zeitlos, schön, rührend und schonungslos zugleich
und im übertragenen Sinn durchaus auch gesellschaftskritisch.

Verfilmung:
Die ursprüngliche Zeichentrick-Verfilmung von Martin Rosen
von 1978 wirkt heute zwar etwas angestaubt, hat aber dafür viel
Charme und fasst den Roman gut zusammen.
Die Vierteilige Netflix-Mini-Serie von 2018 kann Dank ihrer Länge
zwar mehr Details der Romanvorlage wiedergeben, allerdings wurde
dabei inhaltlich auch einiges verändert, was nicht nötig gewesen wäre.
Das Schlimmste aber ist das schlechte CGI, vor allem bei der Gangart
der Kaninchen, was einfach grauenhaft aussieht.
Wenn man darüber hinwegsehen kann (was zugegebenermaßen schwerfällt)
ist die Serie jedoch auch sehenswert - als Ergänzung zum Buch wohlgemerkt.

 

 

 

 

Anthony Bourdain:

 Ein Küchenchef reist um die Welt /

A Cook's Tour. In Search of the perfect meal

 

 

 

 

Kurzweiliges, kulinarisches Reisebuch

Dieses Buch hat uns besonders gefallen, da es zwei unserer
Leidenschaften zusammenbringt: Reisen & gutes Essen.
Anthony Bourdain berichtet in einem locker-lustigen bis
zynischem Stil von seiner kulinarische Reise um die
halbe Welt (darunter Vietnam, Kambodscha, Frankreich,
Portugal, ...), überall auf der Suche
nach der "perfekten" Mahlzeit.
Am besten gefallen hat ihm dabei offensichtlich
Vietnam, dem er ganze vier Kapitel seines Buches widmet,
auch wenn sein Fazit letztendlich lautet, dass es
"die" perfekte Mahlzeit gar nicht gibt,
dass sie immer wieder völlig unerwartet
in einer anderen "Verkleidung" daherkommen kann.

Autor Anthony Bourdain nahm sich im Juni 2018
in einem Hotelzimmer in Frankreich das Leben. :-(

 

 

 

 

Paul Cullen:

Der Fahrplan ist die Speisekarte /


Cook's Tour. A Haphazard Journey from Guanghzou to Dublin and Back Again
Haphazard Journey from Guanghzou to Dublin and Back Again)

 

 

 
Der Weg ist das Ziel

Der in Australien lebende Koch Paul Cullen beschließt,
zusammen mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in sein
Heimatland Irland zu reisen - doch nicht etwa mit dem Flugzeug,
sondern von Hongkong aus auf dem Landweg per Eisenbahn.
So führt die abenteuerliche Reise der Familie durch China,
Kasachstan, Usbekistan, Russland und Europa.
In seinem Reisebericht erzählt er mit viel Humor und Offenheit
gegenüber fremden Kulturen von seinen Eindrücken und Erlebnissen,
von überfüllten Zügen, unwirschem Hotelpersonal, Begegnungen
mit Menschen, den Problemen der Verständigung und den Tücken
des Fahrkartenkaufs. Zwischendurch beschreibt er immer wieder
unterschiedlichste Speisen, die er mit seiner Familie in kleinen
Garküchen, Bäckereien oder auf bunten Märkten verzehrte,
von denen nicht alle unbedingt als Genuss empfunden wurden ..

Wenn auch nicht mehr neu (die Reise fand 1993 statt) liest
sich dieser Reisebericht wie ein spannender Roman, der immer
wieder zum Lachen anregt. Dazu gibt es einige Farbfotos von
der Reise - leider aber nur eine einzige Karte der Route,
der einzige kleine Wermutstropfen, alles in allem jedoch
ein schönes, interessantes und humorvolles Buch über das Reisen!

 

 

 

    William Golding:

Herr der Fliegen /


Lord of the Flies

 

 

 

Zeitloser Klassiker über die Natur des Menschen

Eine Gruppe britischer Schuljungen stürzt während
eines fiktiven Atomkriegs mit dem Flugzeug über dem
Meer ab und strandet auf einer unbewohnten Südseeinsel.
Einige Kinder haben mit dem zwölfjährigen Ralph
bereits einen Anführer, der von den übrigen Kids
aufgrund seines freundlichen Wesens und seiner
besonnenen Art zunächst auch in dieser Rolle
akzeptiert wird. Unterstützt vom intelligenten,
dicklichen Außenseiter Piggy versucht Ralph,
die ihnen anerzogene Ordnung und Disziplin
aufrechtzuerhalten. Doch ohne erwachsene
Aufsicht und den Schutz der Zivilisation fällt
die Durchsetzung moralischer Werte zunehmend
schwerer, zumal sich die Gruppe mehr und mehr
in zwei gegensätzliche, feindliche Lager aufspaltet.
Die neue Gruppe der „Jäger“ unter der Führung
des aggressiven Jacks entwickelt sich zunehmend
zu einem wilden „Stamm“, der sich immer
rücksichtsloser, gewalttätiger und barbarischer verhält …

Fazit:
Neben der Abenteuergeschichte zeigt William Golding
sehr anschaulich den Kampf zwischen Zivilisation
und Barbarei und dass gesellschaftliche Regeln und
Moral lediglich dünne Schichten sind:
Sobald Kontrollinstanzen wie Erwachsene oder Gesetze
fehlen, bricht die fragile Zivilisation schnell zusammen.
Da die zentralen Fragen zur Natur des Menschen und
zum Zusammenbruch von Ordnung zeitlos sind, wird auch
dieser Roman wohl immer zeitlos bleiben.

Verfilmungen:
Der Romanklassiker von 1954 wurde 1963 erstmals in
Schwarzweiß verfilmt, eine farbige Neuauflage gab’s
dann 1990. Letztere habe ich gesehen und ich fand diesen
Film sehr gut in Szene gesetzt, wenn auch etwas unspannend.
2026 erschien eine vierteilige BBC-Serie,
welche ich jedoch (noch) nicht kenne.

 

 

 

    John Ironmonger:

Das Jahr des Dugong /

The Year of the Dugong

 

 

 

Eine Geschichte für unsere Zeit

Der wohlhabende Broker Toby Markham wacht nach einem
schweren Skiunfall bewegungsunfähig in einem spartanischen,
unbekannten Raum auf. Ein „normales“ Krankenhaus scheint
es nicht zu sein und die Menschen, die ihn umgeben,
tragen seltsame Tiernamen. Sie klagen ihn an, mitschuldig an
einer globalen ökologischen Katastrophe und dem Aussterben
unzähliger Arten zu sein. Willkommen in der Zukunft!

In Rückblenden wird Tobys bisheriges Leben gezeigt.
Er verkörpert den typischen egoistischen Lebensstil:
Er flog um die Welt, fuhr einen Sportwagen, vermehrte
das Vermögen der Superreichen und beutete die natürlichen
Ressourcen der Erde rücksichtslos aus.
Während Toby versucht, sich zu verteidigen, wirft die
Geschichte die moralische Frage auf, wie viel
ökologische Schuld jeder einzelne Mensch
(insbesondere die wohlhabende Oberschicht) an der
Zerstörung der Erde trägt.

Und das titelgebende Dugong? – Ist hier lediglich
Namensgeber:in. Die sanftmütige Seekuh (Dugong) steht
symbolisch für die unschuldige Natur und die Arten,
die durch das menschliche Handeln
unwiederbringlich verloren gehen.

Fazit:
Eine kurze und auf den Punkt gebrachte Erzählung zum
Klimawandel und die Frage nach der eigenen Schuld,
die sich jede/r ab und zu stellen sollte.

 

 

 

     Maja Lunde:

"Das Klimaquartett"

"Climate Quartet"

     

 

 

 

Das sog. „Klimaquartett“ von Maja Lunde ist eine vierteilige Romanreihe
vor dem Hintergrund des Klimawandels und Artensterbens.
Die Bände 1-3 verweben dabei jeweils verschiedene Zeitebenen
miteinander und zeigen anhand von Einzelschicksalen die
direkten Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Natur.
Allein der letzte Band spielt ausschließlich in der Zukunft.

Im Einzelnen sind dies folgende Romane:

Die Geschichte der Bienen (2015) / The History of Bees
Die Geschichte des Wassers (2017) / The End of the Ocean
Die Letzten ihrer Art (2019) / The last wild Horses
Der Traum von einem Baum (2022) / The dream of a Tree

Man muss die Bücher – mit Ausnahme des Zuletzt genannten - nicht unbedingt
in der richtigen Reihenfolge lesen, da die Geschichten im Wesentlichen
nicht aufeinander aufbauen. Es macht aber insgesamt gesehen schon Sinn,
da der ein oder andere Charakter oder eine Tierart
aus einem früheren Buch später wieder auftaucht.

Mir persönlich haben „Der Traum von einem Baum“ und „Die Geschichte des Wassers“
am besten gefallen, dicht gefolgt von „Die Letzten ihrer Art“.
Die „Bienen“ hatte ich zwar auch schnell gelesen, aber irgendwie empfand ich
die Geschichten der beiden Bienenzüchter zu langatmig und ereignislos und
beide Charaktere unsympathisch. Manchmal habe ich sie beim Lesen sogar
kurz miteinander verwechselt. Die Geschichte der Tao fand ich interessanter –
sie wird im letzten Band auch erneut auftauchen,
da ist sie mir allerdings nicht mehr sympathisch.

Der finale und dystopische Abschlussband „Der Traum von einem Baum“
spielt mit Ausnahme einiger kleinerer zeitlicher Rückblicke größtenteils
im Jahr 2110 in einer weitgehend zerstörten Welt.
Im Zentrum der Erzählung stehen der Überlebenskampf von zwei Teenagern und
drei Kindern auf Spitzbergen und der Schutz der dort gelagerten globalen
Saatgutkammer als letzter Hoffnungsschimmer für einen eventuellen Neuanfang
der verbliebenen Menschheit. Dabei verknüpft die Erzählung das Schicksal der
letzten Menschen, u.a. der Lou aus „Die Geschichte des Wassers“, mit
drängenden Fragen zu unserem Umgang mit der Natur und der Bewahrung von Hoffnung.
Besonders gefallen hat mir hier der Charakter des Tommy, der sich schon von
klein an rührend um seine beiden jüngeren Brüder Henri und Hilmar kümmert und
alles ihm Mögliche unternimmt, um ihnen gemeinsam mit Rakel und ihrer kleinen
Schwester Runa ein Überleben in der rauen, baumlosen Natur Spitzbergens zu ermöglichen.
Die Erzählung beginnt mit dem titelgebenden Baum, der in Form einer
Esche vom Meer ans Ufer geschwemmt und von dem fünfjährigen Tommy
an Land gezogen wird. Später schenkt er seinem kleinen Bruder Henri zu
Weihnachten Samen des Ablegers dieser Esche (S. 415).
Diese werden am Schluss der Erzählung ein kleines Zeichen der Hoffnung sein …

Insgesamt ist dieses Finale vor apokalyptischer Kulisse
vor allem ein sehr eindrücklicher, stimmungsvoller und auf emotionaler Ebene
gelungener Roman aus einer Zukunft, wie wir sie uns nicht wünschen, die –
so oder ähnlich – jedoch leider immer realistischer wird.

Mich haben etliche Leser-Rezensionen zu „Wasser“ und zum „Traum von einem Baum“
verwundert, die von diesem Ausblick geschockt waren. Anscheinend ist es noch
nicht bei allen angekommen, dass es längst nicht mehr 5 vor 12 ist, sondern
mindestens 5 nach 12, also zu spät, um den Klimawandel aufzuhalten, dito Artensterben.
Bedenkenlos weiterhin zum eigenen Vergnügen Kinder in die Welt setzen ist
heutzutage so eine Sache … – viel Spaß in der Zukunft!

 

 

 

    Charlotte McConaghy:
Avery - Thorne - Isadora
(Die Kaya-Chroniken)

     

 

 

 

Da mir die beiden Romane „Zugvögel“ und „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy
so gefallen haben war ich sehr daran interessiert, was sie davor so geschrieben hat.
Und ich war sehr überrascht: Fantasy. Wow, etwas völlig anderes!

So nahm ich mir erstmal die 3-bändige Reihe der „Kaya-Chroniken“ vor.
Diese Bücher sind 2013-2016 ausschließlich in Australien erschienen, d.h. es gibt
sie lediglich im englischsprachigen Original und für uns hier am günstigsten als eBooks.
Die Titel der Romane lauten „Avery“, Thorne“ und „Isadora“.

Wie gesagt – es ist Fantasy:
Das heißt es gibt Magie, dunkle Mächte und Fabelwesen (z.B. geflügelte Pferde).
Vor diesem Hintergrund geht es vor allem um den Mut, sich zu sich selbst zu
bekennen und zu akzeptieren und den Mut zu lieben.


Band 1: „Avery“:
Liebende in Kaya sterben immer paarweise, da sie durch einen unwiderrufbaren Bund
miteinander verbunden sind. Wenn ein Geliebter stirbt, stirbt auch der andere, so ist es
seit Tausenden von Jahren. Doch als Avas Gefährte Avery von der barbarischen Königin
des kriegerischen Nachbarlands Pirenti ermordet und Avas Seele dadurch entzweigerissen
wird, ist sie die erste, die stark genug ist, um dennoch am Leben zu bleiben.
Doch dafür wird sie nicht etwa gefeiert, sondern die Menschen von Kaya wenden sich
fortan von ihr ab. Derweil schwört Ava sich, den Mord an Avery zu rächen.
Dieser Plan wird jedoch vorerst beendet, als sich Ava auf ihrem Pegasus reitend
der Pirenti-Festung zu sehr nähert und gefangen genommen wird.
Auf Befehl der Herrscherin soll ihr Sohn Ambrose sie in das gefürchtete
Pirenti-Gefängnis auf einer entlegenen Insel überführen.

Ambrose ist wie sein älterer Bruder Thorne zum Töten und Hassen erzogen worden,
doch auf der gefährlichen Reise mit der andersartigen Kaya-Gefangenen (die er
aufgrund ihrer Verkleidung für einen jungen Mann hält) zur Gefängnisinsel
ändert sich sein Denken zunehmend und man ahnt es schon:
Obwohl Ava seine rachsüchtige Feindin ist, bahnt sich da etwas an, wodurch es
aber insbesondere für ihn nicht einfacher wird, da im gewalttätigen Land der
Pirenti Gefühle als Schwäche verachtet werden. Und wie wird er selbst mit
Avas Tötungsplan an seiner Mutter umgehen, ganz zu schweigen sein brutaler Bruder
Thorne, der halb Mensch, halb Berserker ist?

Klingt jetzt in der Kürze vielleicht etwas platt, ist es beim Lesen aber gar nicht.
Letztendlich ist es eine spannende Fantasy-Romance über Verlust, Identität und
darüber, den Mut zu finden, trotz aller Widrigkeiten zu lieben.
Dabei erspart die Autorin ihren Charakteren nichts – es geht oftmals ganz schön
brutal zu: Da wird geschlagen, gehackt, gestochen, Köpfe und
Gliedmaßen werden abgetrennt, das Blut fließt ....

Die Erzählweise ist immer abwechselnd aus der Sicht eines der Hauptcharaktere
geschrieben. Dies ermöglicht einen guten Einblick in die Denkweise jedes Charakters
und zeigt, wie vielschichtig und lebendig die Autorin ihre Charaktere gezeichnet hat.

ACHTUNG: Ab jetzt SPOILER!

Der zweite Band „Thorne“ spielt 20 Jahre später, Ambrose und Ava
gibt es immer noch, doch neue, jüngere Charaktere treten nun in den Vordergrund,
wobei die Erzählweise gleichbleibt, also immer abwechselnd
aus der Sicht eines der Hauptakteure.

Zwischen Pirenti und Kaya hat sich inzwischen ein noch wackeliger Frieden etabliert.
Mittelpunkt der Handlung bildet die Suche nach einem Heilmittel gegen das
paarweise Sterben der Menschen von Kaya. So wird ein Team, bestehend aus den drei
jungen Kayanern Finn, ihrem Zwillingsbruder Jonah, dem kleinen Penn, der
geheimnisvollen Isadora und dem jungen Kronprinzen Thorne von Pirenti
auf die Suche nach der Antwort geschickt. Trotz des offiziellen Friedens
zwischen beiden Ländern lauern jedoch überall noch Gefahren und Feinde …

Durch die Erzählweise aus den unterschiedlichen Perspektiven der Akteure werden
diese auch hier wieder vielschichtig und lebensnah beschrieben, wobei vor allem
der etwas andere Penn ein sehr schön und liebevoll gezeichneter Charakter ist.


3. Band: „Isadora“:

Der dritte und letzte Band schließt zeitlich nahezu unmittelbar an den zweiten Band an.
Das Königreich Kaya wird von einer dunklen Macht gestürzt und sein vermeintlic0
schwacher Kaiser Falco muss im Königshaus von Pirenti bei Ambrose, Ava, Thorne und Finn
Zuflucht suchen. Doch je mehr die Länder vom Bösen überschwemmt werden, desto stärker
lastet der Druck auf Falco, endlich die Maske abzulegen, die lange Zeit sein wahres
Wesen verbarg, und sich seinem Erzfeind, dem tödlichen Sparrow, zu stellen,
von dem zunächst keiner weiß, wer dieser wirklich ist.

Erschwerend hinzu kommt, dass Falco und Isadora unvermittelt durch das unauflösliche Band
der Liebenden von Kaya aneinander gebunden werden, d.h. der Tod des einen würde nun
auch den Tod des anderen bedeuten. Doch Isadora, die an die Kraft des freien Willens
glaubt und sich weigert, sich einem Schicksal zu ergeben, ist entschlossen, sich zu
befreien und ihren eigenen Weg zu wählen, koste es, was es wolle.

Derweil muss König Ambrose die Kraft finden, seinem Volk eine neue, friedvollere
Lebensweise vorzuleben, bevor seine Familie und sein Land von ihrem gewalttätigen Erbe
verschlungen werden.

Es geht im dritten und letzten Band der Kaya-Chroniken also sehr turbulent und
kämpferisch zu, doch die Liebe kommt nicht zu kurz und nimmt sogar einen zentralen Platz
in der Handlung ein. Erneut wird den Charakteren nichts erspart - und leider wird es
letztendlich nicht für jeden gut ausgehen …

Mir hat diese spannende Buchreihe sehr gefallen, vor allem weil die Geschichte
sprachlich toll erzählt ist, es etliche Wendungen gibt und den Charakteren eine Tiefe
verliehen wurde, die sie sehr lebendig und liebenswert macht.

 

 

 

    Charlotte McConaghy:
The Cure: Fury - Melancholy - Limerence

    

 

 

 

 

Eine weitere spannende Trilogie von Charlotte McConaghy ist „The Cure”,
bestehend aus den Bänden „Fury“, „Melancholy“ und „Limerence“.

Auch diese Trilogie wurde leider ausschließlich im englischen Original in
Australien veröffentlicht – also auch hier wieder am günstigsten die eBooks-Variante.

Vom Genre her ist diese Buchreihe eine Mischung aus SciFi & Romance, deren action- und spannungsgeladene
Handlung in einer nicht allzu fernen Zukunft (2063-2068) spielt und wie auch die Kaya-Chroniken
abwechselnd jeweils aus der Perspektive der Hauptcharaktere erzählt wird:

Die 18-jährige Protagonistin Josephine Luquet lebt in einer apokalyptischen Welt, in der ein
Großteil der Menschheit von einer Seuche dahingerafft wurde. Das herrschende autokratische Regime
unterzieht die Überlebenden zwangsweise einer medizinischen Behandlung („The Cure“),
die ihnen die Fähigkeit nimmt, Wut empfinden zu können, da dieses Gefühl als Ursache für
zu viel Gewalt gilt. Eigentlich aber sollen die Menschen durch die Ausschaltung von
Gefühlen wie Wut und Empörung zu ruhig gestellten, gefügigen Drohnen degradiert werden.

Da bei Josephine das Testserum für diese Zwangsbehandlung nicht gewirkt hat, führt sie,
um nicht entdeckt zu werden, ein zurückgezogenes Leben am Rande der Gesellschaft.
Doch irgendetwas hat das verabreichte Medikament in ihr verändert, wacht sie
doch seitdem jedes Jahr am Jahrestag ihrer Impfung irgendwo von fremdem Blut
besudelt auf und kann sich nicht erinnern, was sie getan hat …
Nach einer solchen „Blood Moon“-Nacht lernt sie in einer Bar Luke Townsend kennen,
der starkes Interesse an ihr zeigt und ihr im Verlauf des näheren Kennenlernens
helfen möchte, die Wahrheit über sich selbst herauszufinden und einen
weiteren blutigen Jahrestag zu verhindern. Doch sowohl die Beziehung der beiden
als auch ihr Vorhaben gestalten sich äußerst schwierig und gefährlich, da überall
Gefahren und Feinde lauern, namentlich die regierungstreuen Elite-Kämpfer der „Bloods“
sowie die kannibalischen „Furies“. Nicht zuletzt sind auch Lukes Identität und Motivation
zweifelhaft, derweil die Zeit für die Suche nach einem Gegenmittel
bis zu Josis nächsten Blood Moon immer knapper wird …

***

ACHTUNG: Ab jetzt SPOILER!

Im zweiten Band „Melancholy“ gelingt es der vom „Blood Moon“
geheilten Josi, zusammen mit Luke den „Bloods“ um Haaresbreite zu entkommen und den Weg
zum Widerstand zu finden, einer Gruppe von Menschen, bei denen die Zwangsbehandlung gegen das
Wutempfinden auch nicht angeschlagen hat bzw. die vor ihrer Zwangsimpfung untertauchen konnten.

Doch das Leben im Widerstand ist auch kein Leben in Freiheit: Die Regeln sind hart, die
ebenfalls autokratischen Anführer der Gruppe unbarmherzig und die ständige Bedrohung durch die
blutrünstigen Furies wird zunehmend größer. Derweil plant die Regierung die zwangsweise
„Heilung“ der Bevölkerung von einem weiteren menschlichen Gefühl:
Schon in Kürze soll den Menschen auch das Empfinden von Traurigkeit genommen werden,
damit sie verlernen, ihre Verluste zu betrauern. Um dies zu verhindern, wagen sich Luke und
Josi zusammen mit einer Gruppe von Widerständlern zurück in die Höhle des Löwen.
Derweil ist ihre Beziehung auf einem Tiefpunkt angelangt, da Josi nun Lukes Vergangenheit
und seine Lügen kennt und ihr Vertrauen in ihn verloren hat.
Um den Kampf für das, was uns menschlich macht – unsere Empfindungen wie Vertrauen,
Vergebung und Liebe - gibt es jede Menge Action und Spannung (und Gewalt)
und immer wieder überraschende Wendungen.
Für mich war es wie schon der erste Band ein mega Page-turner!

***

Im dritten Band „Limerence“ haben die blutrünstigen Angriffe der Furies
die Gruppe der Widerstandskämpfer stark dezimiert, so dass diese fortan nur noch in einem
hermetisch gesicherten unterirdischen Tunnelsystem überleben kann.
Währenddessen plant die Regierung, als nächstes das Gefühl der Liebe in den Menschen zu eliminieren ...

Im letzten Kampf um die Freiheit gibt es für Josi und Luke keine Grenze, die nicht
überschritten wird. Für Josi bedeutet dies, zu der Kreatur zu werden, die sie am meisten fürchtet:
Das Mädchen mit dem „Blood Moon“ ...
Der fesselnde Abschluss der dystopischen Trilogie ist wieder voller Action, Spannung und
unerwarteten Wendungen. Die vielleicht etwas zu vielen Zeitsprünge + die Perspektivwechsel der
Erzählweise machen es dem Leser nicht ganz einfach, man muss schon sehr aufpassen,
wo und bei wem man gerade beim Lesen ist.
Andererseits ergibt gerade dies auch wieder unerwartete, spannende Wendungen.

Fazit:
Ich habe auch dieses dritte Buch der Cure-Reihe „gefressen“ – sehr spannend, komplex
und intelligent, actionreich und mit etlichen Wendungen und Hintergedanken.
Insgesamt eine tolle Buchreihe!

Noch zwei Randbemerkungen zum 3. Band:
Relativ am Anfang des 3. Bandes wird Josis 22. Geburtstag gefeiert und jemand (Will)
schenkt ihr ein Buch namens „Migrations“ (!) über Vögel … (s. Charlotte McConaghys späterer
Roman unter diesem Namen). – Vorsehung???

Es wird immer wieder ein Cellokonzert eines Komponisten namens Elgar erwähnt.
Und zwar so oft, dass ich es googeln musste. Ich habe es mir sogar angehört – also ok,
ca. 1/3 davon, länger habe ich es nicht ertragen. Sehr speziell.
Kein eingängiges Stück. Mir hat sich die Musik nicht erschlossen.
Ich schätze mal, es beruht auf einer privaten Erfahrung/Erinnerung der Autorin,
denn auf sowas kommt man nicht einfach mal so. Aber interessant.

 

 

 

    Charlotte McConaghy:
Zugvögel / Migrations

 

 

 

 

"Die Tiere sterben. Bald sind wir hier ganz allein."

WOW - was ein starker Anfang!

Der Roman spielt in einer womöglich nicht allzu fernen Zukunft,
in der die Folgen des Klimawandels und der Ausbeutung natürlicher
Ressourcen zu einem weltweiten Artensterben längst befürchteten
Ausmaßes geführt haben, so dass es mittlerweile auf der ganzen Erde
keine freilebenden Säugetiere mehr gibt. Auch Fische und Vögel
gibt es nur noch vergleichsweise wenige und die Küstenseeschwalbe
scheint der einzig noch verbliebene Zugvogel zu sein.

Vor diesem Hintergrund plant die Protagonistin Franny, deren Leben
ähnlich rastlos wie das eines Zugvogels erscheint, die womöglich
letzte Migration der Küstenseeschwalben von ihren arktischen
Brutplätzen in ihre antarktischen Überwinterungsgebiete zu verfolgen.
Um dies zu realisieren, bleibt ihr keine andere Wahl, als ausgerechnet
auf einem der wenigen verbliebenen Fischerboote
mitzureisen, also genau mit denjenigen den Vögeln hinterherzufahren,
die aus ihrer Sicht für die Ausrottung von Tierarten direkt
mitverantwortlich sind. Die Crew ihrerseits und insbesondere Kapitän
Ennis sind ebenfalls nicht begeistert von der Anwesenheit einer
unerfahrenen Landratte an Bord, doch der Hoffnungsschimmer,
durch die Verfolgung der Zugvögel doch noch den „goldenen Fang“ im
nahezu leergefischten Meer zu machen, besiegelt den Deal.

Abgesehen von ihrer gegenwärtigen Mission ist Franny zugleich in
Geschehnissen aus ihrer geheimnisvollen Vergangenheit gefangen –
dem frühen Verschwinden ihrer Mutter, einer Tat ihres Vaters,
einem Gefängnisaufenthalt, ihrer eigenen Suche nach der Wahrheit
und der außergewöhnlichen Liebe zu ihrem Ehemann Niall,
einem angesehenen Professor für Ornithologie, dem sie von unterwegs
Briefe schreibt, die jedoch nie versendet werden (können).
In Rückblenden erfährt man nach und nach, was sich zugetragen und
welche Bedeutung ihr Projekt tatsächlich hat.
Derweil gestaltet sich die Seereise in die Antarktis durch die
stürmische, eisig kalte See alles andere als ungefährlich …

Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen, sowohl sprachlich als
auch in ihrer Vielseitigkeit. So ist z.B. das scheinbar konträre
Verhältnis zwischen der Protagonistin und der Fischer-Crew
sehr gut dargestellt: Einerseits der Gegensatz zwischen Franny,
die für den Artenschutz einsteht, und den Fischern, die immer so
weiter machen wollen wie bisher - andererseits aber auch das
Verbindende, das sie wiederum eint:
Die Sehnsucht nach dem Meer und nach Freiheit.
Die Reise von Grönland in die Antarktis ist dann packend erzählt
wie ein Schiffs-Abenteuerroman, es ist viel die Rede von Kälte,
die immer wieder als zentrales Element in der Geschichte
auftaucht und beim Lesen regelrecht spürbar wird.

Ein durchweg sehr schön und fesselnd erzählter Roman,
der vor dem Hintergrund rund um Umweltzerstörung
und Artensterben genau in unsere Zeit passt.
Dazu gibt es gegen Ende in einer der zeitlichen Rückblenden
noch eine überraschende Aufklärung einer noch
offenen Fragen bezüglich Frannys Vergangenheit.
Ein Roman, der geradezu schreit nach einer Verfilmung.
Wie zu lesen ist, gibt es seit nun schon einigen Jahren auch ein
Filmprojekt – nur passiert ist bis dato (2026) leider noch nichts.
Also erstmal bzw. sowieso: Unbedingt lesen!

P.S.:
Neben der packenden Story erfährt man auch noch so einiges Interessantes:
So wusste ich z.B. nicht, dass die Küstenseeschwalbe der Zugvogel
mit dem längsten Zugweg ist, dass überhaupt ein Vogel so eine weite
Strecke zurücklegt von der Arktis bis in die Antarktis und wieder zurück,
laut Wikipedia hin und zurück bis zu 30.000 km jährlich (!), einige
sogar noch mehr! Das ist wirklich krass - wahre Vielflieger sozusagen,
das aber rein ökologisch und klimaneutral. ;-)

 

 

 

 

David Mitchell:

Der Wolkenatlas /

Cloud Atlas)

 

 

 

 

 

Der „Wolkenatlas“ ist eine spannende literarische Reise der besonderen Art:

Angelehnt an den Gedanken an ein musikalisches Sextett für einander
sich überschneidende Solostimmen wird jede der insgesamt sechs Kurzgeschichten
von der nachfolgenden Geschichte unterbrochen beziehungsweise abgelöst,
um dann jeweils in umgekehrter Reihenfolge fortgesetzt
und zu Ende geführt zu werden.

Klingt kompliziert, ist es aber nicht.
Die sechs Geschichten beschreiben sechs Lebenswege an unterschiedlichen
Orten zu unterschiedlichen Zeiten:
Den eines amerikanischen Notars, der um 1850 durch die Südsee reist, eines
britischen Komponisten, der 1931 in Belgien am „Wolkenatlas-Sextett“ arbeitet,
einer amerikanischen Journalisten, die in den 80er Jahren einen Atomskandal
aufdecken will, eines englischen Verlegers, der von seinem gehörnten
Bruder in die Irre geführt wird, einer geklonten koreanischen Sklavin in
der Zukunft, die für das Recht kämpft, auch ein „Kosument“ ( = Mensch)
sein zu dürfen, sowie eines postapokalyptischen Ziegenhirten, der den Untergang
des verbliebenen Rests der Zivilisation miterlebt.

Trotz der großen Zeitspanne von mehreren Jahrhunderten, unterschiedlicher
Erzählstile (Romanform, Tagebuchform, Briefform, Interview) und verschiedener
literarischer Genres (antiquierter Reisebericht, packender Thriller,
düstere Science-Fiction) taucht immer wieder ein Detail auf, welches die
nachfolgende Episode mit der vorigen verbindet.

Doch noch etwas ganz anderes zieht sich wie ein roter Faden durch Mitchells
Menschheitsgeschichte und gibt so einiges zu denken:
Die unersättliche Gier des Menschen nach Geld, seine Gier nach Macht und die
daraus resultierende Ausbeutung, Unterdrückung und Ausrottung des jeweils
Schwächeren bis hin zum Niedergang der Zivilisation und zur unfreiwilligen
Selbstausrottung. Am Ende ist der Erste zwangsläufig der Letzte …

"Wer gegen die Hydra der menschlichen Natur kämpft, muss dafür mit
unendlichem Leid bezahlen, und seine Familie bezahlt mit ihm!
Erst wenn du deinen letzten Atemzug getan hast, wirst du begreifen,
dass dein Leben nicht mehr gewesen ist als ein Tropfen
in einem grenzenlosen Ocean!»

Was aber ist ein Ocean anderes als eine Vielzahl von Tropfen?“

 

 

 

 

Joanne K. Rowling: Harry Potter

 

 

 

Harry Potter muss ich nicht mehr explizit vorstellen -
oder wer kennt sie nicht die, spannende Fantasy-Reihe um den Jungen Harry
und seinen Kampf gegen Lord Voldemort? - Sollte es doch jemanden geben:
Unbedingt schnellstens nachholen, die Bücher lesen und auch die Filme anschauen!
Am besten immer jeweils direkt hintereinander.
Wie immer bieten die Bücher noch mehr, was für eine Verfilmung zu viel geworden wäre,
die Filme sind ohnehin mit ca. 2:30 h schon recht lang, insbesondere für die Jüngeren.
Nun aber bloß nicht denken, Harry Potter sei nur etwas für Kinder. Mitnichten.
Als die Bücher erstmals rauskamen, waren wir lediglich noch Kinder im Herzen,
aber das sind wir heute auch noch und nach wie vor große "HP"-Fans!
Ist der erste Teil noch etwas "kindlicher", wird's in den folgenden richtig
düster, spannend und unheimlich - zum Glück alles sehr nah an den Büchern.
Oftmals ist man etwas an den "Herrn der Ringe" erinnnert, denn auch wenn die Story
ganz anders ist, gibt es doch ein paar Parallelen. Vor allem geht es bei
beiden letztendlich um Freundschaft, Loyalität und Mut.
Eine zurecht so erfolgreiche Reihe!
Meine Lieblings-Charaktere: Die Maulende Myrte (Moaning Myrtle) und Luna Lovegood.

Hier die Bände / Teile in der richtigen Reihenfolge:

Harry Potter und der Stein der Weisen / Harry Potter and the Sorcerer’s Stone
Harry Potter und die Kammer des Schreckens / Harry Potter and the Chamber of Secrets
Harry Potter und der Gefangene von Askaban / Harry Potter and the Prisoner of Azkaban
Harry Potter und der Feuerkelch / Harry Potter and the Goblet of Fire
Harry Potter und der Orden des Phönix / arry Potter and the Order of the Phoenix
Harry Potter und der Halbblutprinz / Harry Potter and the Half-Blood Prince
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 / Harry Potter and the Deathly Hallows
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 / Harry Potter and the Cursed Child

 

 

 

  Hans Schaarwächter:

Reise des Seepferdchens

 

 

 

Ich habe einen Schatz gefunden! Ein Kleinod! Ganz unverhofft in einem öffentlichen Bücherschrank
am Rhein, an dem ich regelmäßig in der Mittagspause vorbeispaziere und immer neugierig
hineinspähe, jedoch selten wirklich etwas von Interesse darin vorfinde.
Doch diesmal erwartete mich darin eine freudige Überraschung, ein Kuriosum schon vom
Titel her, welcher mir direkt ins Auge fiel: „Reise des Seepferdchens".
Und anstelle der Nennung eines Autors stand darunter „von ihm selbst erzählt". Hm.
Meine Neugier war geweckt.

Ich nahm das grüne, großformatige Taschenbuch mit einer überdimensionalen Seepferdchenzeichnung
auf dem Cover heraus, überflog die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken - auf welchem dann doch
Foto, Name und Kurzbeschreibung des Verfassers prangten - und klappte schliesslich das Buch auf:
Innen keine Angaben zu einem bekannten Verlag, zu Auflage oder Erscheinungsjahr,
„Illustrationen: Das Seepferdchen", „Seepferdchenstudio". - Aha, wohl ein im
Selbstverlag gedrucktes Werk, interessant. Darin lag ein dem Buch zugehöriges, kleines
Lesezeichen aus durchsichtiger Plastikfolie, auf welchem ebenfalls das Abbild des Seepferdchens
samt Buchtitel prangte. Hübsche Idee.

So reiste das Seepferdchen also nun zu mir nach Hause, wo ich gespannt seinen Reisebericht
zu lesen begann. Die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken bringt es bereits auf den Punkt:
„Dieses Buch fällt aus dem Rahmen":
Auf unerklärliche, märchenhafte Weise finden der menschliche Protagonist Poul und ein
namenloses Seepferdchen zusammen
und begeben sich gemeinsam auf eine einjährige Weltreise - jedoch nicht zu Wasser, wie man
es von einem Seepferdchen „erwarten" würde,
sondern auf ganz menschlich-herkömmliche Weise per Flugzeug. Aus den tiefen Tangwäldern
des Mittelmeeres gelangt das Seepferdchen so auf wundersame Weise in die Pilzwälder der
Wolkenkratzer, in zahllose Hotels, Restaurants, Museen, Theater und Schauplätze der Welt,
angefangen von Lissabon über Südamerika, Westafrika, Madagaskar, Iran, Indien, Bangkok,
Hongkong, Japan und Alaska, insgesamt in 33 Länder, stets nach der Devise
„überall ankommen wie ein Kind", sehen, erleben, staunen.

Natürlich kann das Seepferdchen, oder „Mademoiselle Hippocampe" (lat. von Hippocampus =
Seepferdchen), wie Poul seine winzige Reisegefährtin nennt, auch sprechen –
nicht zuletzt hat es ja den Reisebericht geschrieben!
– und das nicht nur mit Poul, sondern auch mit anderen Menschen, die ihnen unterwegs
begegnen und für solch eine Kuriosität empfänglich sind. Dabei neigt das Seepferdchen
durchaus gerne zu Ironie und Kritik an den Menschen und beweist
dadurch seine Intelligenz (vgl. Hippocampus = Teil des menschlichen Gehirns).

Die Dialoge zwischen den beiden klingen oftmals etwas altmodisch, teilweise gespickt mit
inzwischen so nicht mehr im allgemeinen Sprachgebrauch genutzten Wörtern.
Dies mag wohl daran liegen, dass das Buch lt. Internetrecherche im Jahr 1983 erschienen
ist und der Autor im darauf folgenden Jahr im hohen Alter verstarb.
Man kann also nur mutmaßen, wann es geschrieben wurde, falls dies überhaupt
„in einem Rutsch" geschah oder eher über einen längeren Zeitraum hinweg.

Wie dem auch sei – ich empfinde es als ein ganz großartiges, süsses, liebevolles und
wunderbar „anderes" Reisebuch für alle, die die weite Welt lieben und sich
immer auch für die Menschen, ihre Kultur, ihren Glauben und
das „Alltägliche in der Fremde" interessieren.

Zu kaufen gibt es dieses Buch wohl leider nur noch vereinzelt auf eBay oder in
Buchantiquariaten – oder vielleicht in einem öffentlichen Bücherschrank.
Dieses Exemplar, was ich nun in Händen halte, wird jedenfalls hier bleiben –
und wer weiss, vielleicht wird das Seepferdchen fortan mit mir reisen. ;-)

 

 

 

 

J.R.R. Tolkien:

Der kleine Hobbit

& Der Herr der Ringe /

The Hobbit &

Lord of the Rings

 

 

 

Zwei Reisen, die hier nicht fehlen dürfen, sind die von Bilbo Beutlin
aus dem "kleinen Hobbit" und der Gefährten aus der "Herr der Ringe"-Trilogie.

Beide Werke Tolkins kennen und lieben wir seit ewigen Zeiten und wir sind
auch große Fans der Verfilmungen von Peter Jackson,
die ebenso wie die Bücher grandiose Meisterwerke sind!

Wer lediglich die Filme kennt, sollte wirklich auch mal die ihnen zugrundeliegenden
Bücher von J.R.R. Tolkien lesen. Aber keine Frage - die Herr der Ringe-Verfilmung
ist mega!! Peter Jackson hat die Trilogie sehr gut zusammengefasst.
In der Hobbit-Verfilmung wurde von ihm auch sehr viel ergänzt, was mich anfangs
sehr skeptisch stimmte, da das Hobbit-Buch nur vergleichsweise kurz ist.
Letzendlich hat mir auch die Hobbit-Verfilmung gefallen, obgleich CGI-mäßig teilweise
etwas übertrieben wurde, so dass etliche Szenen optisch eher wie ein
Computerspiel wirken. Schade, aber der Story und der Spannung tut es keinen Abbruch.
Trotz der chronologischen Reihenfolge ist zumindest filmisch "Der Herr der Ringe"
doch als erstes zu empfehlen, also vor der Hobbit-Reihe.
Lesetechnisch ist es quasi egal. Die 3 Bücher des Herrn der Ringe bieten
auf jeden Fall noch mehr Einblicke in Ereignisse, Stimmungen, Charktere und
Hintergründe und sind sehr anschaulich, spannend und schön geschrieben.
Erst das Lesen der Herr der Ringe - Trilogie führt einen wirklich
auf die große Reise durch Mittelerde.
Mein Lieblings-Charakter: Éowyn (Herr der Ringe 3. Teil).

Auf Inhaltsangaben sei hier verzichtet. Wer die Geschichten noch nicht kennt,
sollte besser zuerst die Bücher lesen, aber es geht natürlich auch ohne.
Für uns sind Bücher und Filme Meisterwerke ihres Genres!

Hier die Reihenfolge der Bücher bzw. Filme:

Der Herr der Ringe 1: Die Gefährten / The Fellowship of the Ring
Der Herr der Ringe 2: Die zwei Türme / The Two Towers
Der Herr der Ringe 3: Die Rückkehr des Königs / The Return of the King

Der Hobbit 1: Eine unerwartete Reise / An Unexpected Journey
Der Hobbit 2: Smaugs Einöde / The Desolation of Smaug
Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere / The Battle of the Five Armies

 

 

 

 

von Westphalen, Joseph:

Im diplomatischen Dienst

 

 

 

 

Der Protagonist Harry von Duckwitz wird aus Faulheit Diplomat und liebt es,
überall zu provozieren und anzuecken, sei es in Kamerun, Ecuador oder in der
Eifel. Seine zweite Leidenschaft gilt den Frauen, wobei es ihm stets
schwer fällt, sich auf eine einzige zu beschränken.
Damit bringt er gehörigen Schwung in den sonst eher biederen
diplomatischen Dienst, was natürlich nicht überall gut ankommt ...

Da das Buch 1992 geschrieben wurde, sind die erwähnten politischen
Ereignisse (Tschernobyl, Hauptstadtdebatte, Mauerfall) längst passé,
dennoch sind die ironischen Betrachtungen von Duckwitz immer wieder
amüsant zu lesen. Die Fortsetzung ist unter dem Titel "Das schöne Leben"
erschienen und ist auch noch lesenswert, jedoch wird in Bezug auf Frauen und Zeitgeist-Kritik
auf Dauer zu sehr übertrieben - ein bißchen "Alter, weißer Mann"-Ansichten
(eine weitere Fortsetzung sei aus letzterem Grund hier nicht mehr empfohlen).

 

 

 

 

Wackwitz, Stephan:

 Walkers Gleichung

 

 

 

 

Ein wenig erinnern die Rahmenbedingungen zu „Walkers Gleichung" an einen
gewissen Harry Duckwitz (s.o. „Im diplomatischen Dienst"):
Tropische Kulisse, Botschaftsmilieu und ein
sympathischer „schräger Vogel" als Protagonist, dem seine
Frauengeschichten wichtiger sind als sein Botschaftsjob.
Allerdings ist die Geschichte des Siegmund Walker weitaus genialer:
Selbst nicht Diplomat, sondern lediglich Referent einer Stiftung, der an der
deutschen Botschaft eines Tropenstaates Schreib- und Zuarbeiten erledigt,
geht Walker privat gerne seinen schriftstellerischen Ambitionen nach,
indem er Essays für deutsche Zeitungen schreibt - gleichwohl er sich
schmerzlich bewusst ist, dass der Essayist als solcher in der breiten
Öffentlichkeit, sprich: vor allem bei den Frauen (die seine zweite
Leidenschaft sind), nur wenig gilt und im Vergleich zum
Romanschreibers nie so recht Ernst genommen wird.

So geschieht es, dass er, um bei seiner Angebeteten Juliana landen
zu können, vorgibt, an einem Roman zu schreiben - und zwar über die
Auslandsdeutschen der tropischen Inselhauptstadt, also seine Vorgesetzten,
Kollegen, Freunde, Bekannten, etc. Diese Äußerung kommt zwar wunschgemäß
bei den Frauen sehr gut an, in anderen Kreisen jedoch ist man wenig
begeistert von Walkers Ansinnen, „… die Verbindungen zwischen wirtschaftlicher,
politischer und kultureller Macht, ... die Mischung aus Erotik, Korruption
und Verbrechen …" nicht nur als Fiktion, sondern als lebendigen
Lebenshintergrund darzustellen. Die Frage, die sich bei alldem stellt,
ist, ob und wie am Ende Walkers Gleichung mit mehreren Unbekannten aufgeht
und was am Schluss für ihn übrig bleibt.

Der Autor beschreibt mit viel Ironie und Humor einen illustren Kreis von
Auslandsdeutschen („… nach heimischen Maßstäben komfortabel gescheiterte
Existenzen
. [...] mit zu Hause wertlosen Doktortiteln ..."),
in dem die Maxime „Nichtstun und Doch-irgendwie-etwas-Sein" gilt,
und den deutschen Kulturbetrieb an sich. Dabei können die ineinander
verschachtelten Sätze gut und gern auch mal eine halbe Seite lang werden,
was das Lesen stellenweise etwas anstrengend macht.
Langeweile aber kommt an keiner Stelle auf - im Gegenteil:
„Walkers Gleichung" ist eine geniale, spannende und witzige Satire.

 

 

 

 

 

 

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