Buchtipps Australien & Neuseeland

 

 

 

 

 

Bill Bryson:

 

Frühstück mit Kängurus

 

(engl.: In a Sunburned Country)

 

 
 

 

Ein etwas anderer Reisebericht von Down Under

Bill Brysons humorvoller Reisebericht von seinen Streifzügen durch Australien bringt garantiert nicht nur Australienreisende zum lachen. Ob seine kläglichen Surfversuche auf dem Bodyboard an Sydney's Bondi Beach, eine Fußwanderung durch die weitläufige Hauptstadt Canberra, die Entdeckung eines Kloakentieres, die ständig lauernden Gefahren in Form von giftigen Spinnen, Schlangen und Quallen, Haien und Krokodilen oder nicht zuletzt zahlreiche Fakten zur noch jungen Geschichte des Landes, seiner Entdeckung und Eroberung sowie die Eigenheiten seiner Bewohner - all das beschreibt und kommentiert Bryson anschaulich mit ironisch-lässigem Humor.

 

Doch sieht er dabei nicht etwa alles nur durch eine rosarote Brille, sondern spricht auch ernste Themen an, wie etwa den rassistischen Umgang mit den Aboriginies, die fehlgeschlagene Integration und Anerkennung ihres Volkes und das diesbezügliche Scheitern der australischen Gesellschaft - also auch Down Under nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

An einigen Stellen muss man sich allerdings doch über einige seiner Verhaltensweisen wundern: Warum z.B. bucht er sich meistens ein Hotelzimmer im Voraus, nur ausgerechnet am Uluru nicht? Und warum hat er, als am Uluru kein Hotelzimmer mehr zu haben war, nicht den Campingplatz oder weiter entferntere Unterkünfte in Erwägung gezogen ...?? - Dennoch: Auf jeden Fall ein Buch, das unbedingt mit ins Reisegepäck von Australienreisenden sollte.

 

 

 

 

 

Bruce Chatwin:

 

 Traumpfade

 

(engl.: The Songlines)

 

 
 

 

Bruce Chatwin erzählt von seiner Reise quer durch Australien auf der Suche nach Ursprung und Bedeutung der unsichtbaren, mythischen Traumpfade oder Songlines der Aborigines, welche den Kontinent wie Fäden eines unsichtbaren Spinnennetzes durchziehen. Nach dem Glauben der Aborigine wanderten auf ihnen einst die Ahnen der Traumzeit und erweckten singend alles, was ihnen unterwegs begegnete, zum Leben.

Gemeinsam mit dem russischstämmigen Australier Arkady, der eine Karte der heiligen Stätten der Ureinwohner anzufertigen gedenkt, fährt er durch das flirrend heiße Outback und begegnet dabei so manch seltsamem Zeitgenossen. Zugleich vermittelt er dem Leser viel über die geheimnisvolle Mythenwelt der Aborigine-Kultur, lässt ihn an seinen Thesen bezüglich der Rastlosigkeit der menschlichen Natur sowie an literarischen Notizen teilhaben. 

Ein Reise- und Erfahrungsbuch der besonderen Art, das gängige Kategorien problemlos zu sprengen vermag – bezeichnen wir es also der „Einfachheit“ halber vielleicht am Treffendsten als eine interessante Mischung aus Reisebericht, Sachbuch, Notizbucheinträgen, Abenteuerroman und Autobiografie.

 

 

 

 

 

Jo Nesbo:

Der Fledermausmann

 

 
   

"Der Fledermausmann" bildet den Auftakt zur bis dato sechsbändigen Krimireihe um den eigenwilligen Ermittler Harry Hole aus Oslo. Während die letzten vier Bände in Norwegen spielen, ist im zweiten Band Bangkok Schauplatz der Handlung (siehe unter "Thailand") und im vorliegenden Roman Australien.

Um die Aufklärung eines rätselhaften Mordes an einer jungen norwegischen Frau zu unterstützen wird der alkoholkranke Polizist Harry Hole nach Sydney geschickt bzw. "abgeschoben". Dort wird ihm Andrew Kensington, ein australischer Kollege und Aborigine als Partner zur Seite gestellt. Beide sind auf ihre Art verschroben und von ihrer Vergangenheit gezeichnet. Im Laufe ihrer gemeinsamen Ermittlungen, die u.a. auch nach Nimbin führen, stellt sich heraus, dass sie auf der Spur eines Serienmörders sind, der ein Faible für blonde Frauen hat. Bald hat Harry zahlreiche Indizien, die einen Drogendealer zu seinem Hauptverdächtigen machen, bis er merkt, dass Andrew ihn auf seine unkonventionelle und subtile Art auf eine andere Fährte führen will ...

Streckenweise liest sich die Geschichte, als begleite man Nesbo auf seiner Reise durch Australien (die er auch tatsächlich unternommen hat), so realitätsnah sind die Handlungsorte beschrieben. Anhand der Figur des Aborigine Andrew führt er den Leser zugleich auf eine Reise in Mythologie und Geschichte der Aborigine-Kultur.

Ein fesselnder Kriminalroman, idealer Reisebegleiter für Australien und trotz kleinerer Schwächen ein gelungener Auftakt der "Harry-Hole-Reihe", der neugierig auf mehr macht (Tipp: Weiterlesen, denn sie werden immer besser!).

 

 

 

 

 

Doris Pilkington:

 

Long Walk Home

 

(engl.: Rabbit Proof Fence)

 

 
 

 

Die bewegende Erzählung über die Verschleppung und anschließende Flucht dreier Mischlingskinder durch das australische Outback zeigt die weniger schöne Seite der noch jungen Geschichte Australiens.

 In den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen die australischen Behörden mit der systematischen Verschleppung von Kindern weißer Väter und Aborigine-Müttern, um sie in eigens dafür errichteten Umerziehungsanstalten in die weiße Kultur einzupassen – ohne sie letztendlich jedoch als vollwertige Mitglieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Ohne ihren wirklichen Namen, geschweige denn den ihrer Mütter oder ihre wahre Herkunft zu kennen, wuchs eine Generation entwurzelter Menschen heran, von denen nur wenige ihren Platz im Leben fanden. Einigen gelang die Flucht – wie der Autorin, die hier ihre Geschichte erzählt.

 

 

 

 

 

Keri Hulme:

 

Unter dem Tagmond

 

(engl.: The Bone People)

 

 
 

 

Keri Hulmes (leider) einziger Roman "Unter dem Tagmond" (original: "The Bone People") dürfte wohl mein am häufigsten gelesenes Buch sein, habe ich es doch erstmals Anfang der 90er gelesen und geliebt, seitdem immer wieder erneut gelesen und immer noch geliebt (was so häufig nun auch nicht bei mir vorkommt innerhalb eines Zeitraums von über xx Jahren) und nun wieder gelesen - und ja: Ich liebe es nach wie vor!

Worum geht es? - Und jetzt muss ich vorsichtig sein, denn ich fürchte, ich bekomme es nicht hin, NICHT den falschen Eindruck zu erwecken, es handle sich bei diesem Buch um einen Liebesroman, "Chick-Lit" oder dergleichen ... - keine Bange, weit davon entfernt! - Also:

Die eigenwillige, einzelgängerische Malerin Kerewin Holmes lebt zurückgezogen in einem unheimlich anmutenden Turm an einem einsamen, rauen Küstenabschnitt Neuseelands. Als sie eines Tages vom Strand zurückkehrt, macht sie ungewollt  Bekanntschaft mit einem kleinen Jungen. Wie sich nach und nach herausstellt: Simon, vermutlich stumm, rätselhafte Herkunft; im Dorf als Dieb und Unruhebringer berüchtigt, Pflegesohn eines Maori namens Joe.

Kerewins Interesse an Gesellschaft oder gar Freundschaft ist - gelinde gesagt! - gering, doch gelingt es ihr nicht, den entstandenen Kontakt mit Simon und Joe abzubrechen. Allen dreien gemeinsam ist ihre Entwurzelung und Vereinsamung, auf welche jeder auf seine individuelle Art mit Feindseligkeit und Aggressivität reagiert. Trotz dieser denkbar ungünstigen Voraussetzungen gelingt es ihnen zunächst, einander näher zu kommen. Dabei kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sie sich auf bestimmte Weise einfach brauchen, damit jeder für sich glücklich leben kann. Leider wird ihnen dies zu spät klar und die Katastrophe scheint unausweichlich ...

Eine traurige, zuweilen schonungslos brutale, zugleich aber auch hoffnungsvolle, und am Schluss sehr poetische Erzählung (wobei die traditionelle Maori-Kultur eine grosse Rolle spielt) über die Verlorenheit des Einzelnen. Ich bin bei jedem Lesen immer wieder ergriffen von dieser Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schatztruhe

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